Köhlereibesichtigung, Unterbramboden - 27. April 2019

Die Köhlerei der Familie Renggli ist integriert in der Biosphäre Entlebuch, das verspricht ein Tag mit kulturellem Hintergrund.

 

Das Interesse an diesem Ausflug ist beachtlich, haben sich doch 20 Ehrenmitglieder angemeldet. Engler Louis ist heute unser ältester Teilnehmer. Weil die Köhlerei etwas abseits liegt und der Postautobetrieb erst im Mai wieder aufgenommen wird, reisen wir mit einem Kleinbus und zwei Privatautos. Ferdi, Sabi und Reto haben sich als Fahrer zur Verfügung gestellt, Ihnen ein herzliches Dankeschön.

 

Um 9.45 Uhr verlassen wir den Parkplatz Inseli und fahren, begleitet von feinem Nieselregen, via Wolhusen nach Entlebuch und zweigen ab zum Bramboden. Die Strasse ist sehr eng, wir erhalten einen Blick auf das weitverzweigte Gebiet am Napf.

 

Das Ziel Unterbramboden liegt auf 1000m ü/M. Mit einem kleinen Fussmarsch gelangen wir zum Köhlerplatz. Willi Renggli erwartet uns bereits und zu unserer Überraschung brennt tatsächlich ein Kohlenmeiler. Um Bramboden und Romoos gibt es noch 11 Kohlplätze.

 

Die Köhlerei ist ein uraltes Handwerk, in Europa geht die Holzköhlerei bis in die Jungsteinzeit, 4’000 v. Chr. zurück. Einen eigentlichen Aufschwung nahm die Köhlerei im 19. Jahrhundert. Hauptabnehmer waren Industriebetriebe, u.a. die ehemalige von Moos Stahl AG. Mit dem technischen Fortschritt konnte in der Industrie mehr und mehr auf die Holzkohle verzichtet werden. So schrumpfte der Absatz markant und man musste befürchten, dass dieses alte Handwerk ausstirbt. Es gab nur eine Lösung: Die Umstellung von der Industrie- auf die Grillkohle. Heute verkauft Otto’s die Grillkohle aus den Köhlereien in Romoos. Nachdem im Januar 2018 der Film “Köhlernächte“ in den Kinos gezeigt wurde, stieg der Absatz der Holzkohle aus Romoos nochmals an.

 

Willi Renggli erklärt uns den Aufbau eines Meilers, ein aufgestelltes Modell veranschaulicht das Ganze. Das Holz hat er zum Teil aus eigenem Wald, viel muss er jedoch von angrenzenden Nachbarn zukaufen. Nach dem Anzünden glimmt der Meiler unter ständiger Überwachung des Köhlers etwa drei Wochen vor sich hin. Kontrolliert werden muss der Meiler in den ersten Tagen alle 3 Stunden, später noch alle 6 Stunden. Da braucht Willi jeweils zwei Wecker!! Nach der vollständigen Erkaltung des Meilers wird die Holzkohle mit einer speziell konstruierten Maschine direkt in die Säcke abgefüllt. Wir sehen, dass für die aufwendige Arbeit sehr viel Wissen erforderlich ist. Die Köhler um Romoos sind in einem Verband organisiert, Willi Renggli ist Präsident. Im Jahr 2018 wurde zudem ein Förderverein für die Köhler Romoos gegründet mit dem Ziel, für Investitionen und Unterhalt der für ihre Arbeit nötigen Maschinen Unterstützung zu leisten.

 

Bei all den Informationen werden wir richtig eingeräuchert, das gibt auch Durst. So genehmigen wir einen Apéro, der aus unserer EM Kasse spendiert wird. Wir hoffen natürlich, dass wir, jetzt gut geräuchert, umso länger haltbar bleiben….

 

Der gemütliche Teil beginnt kurz nach 12 Uhr, wir lassen uns Raclette à Diskretion schmecken, Bernadette Renggli reicht dazu viele Zutaten. Zum Abschluss leistet sich der eine und andere ein Chölerkafi. Als Andenken an diesen Tag können alle EM ein kleines Holzkohlesäckli für Geruchskiller im Kühlschrank mit nach Hause nehmen.

 

Um 14.30 Uhr ist Aufbruch, unsere Fahrer bringen uns seriös und zuverlässig wieder zum Inseli Parkplatz zurück.

 

28.04.2019/ Rita Li.

 

Trailer zum Film:   Köhlernächte

Fotos von unserem Besuch: